Berlin (KNA) Der Kabarettist, Autor und Moderator Dieter Nuhr (65) hat den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland erhalten. "Ich bin stolz", sagte er bei der Verleihung am Mittwochabend in Berlin. Er habe bereits einige Preise in seinem Leben erhalten, aber dieser mache ihn bes ...
Berlin (KNA) Der Kabarettist, Autor und Moderator Dieter Nuhr (65) hat den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland erhalten. "Ich bin stolz", sagte er bei der Verleihung am Mittwochabend in Berlin. Er habe bereits einige Preise in seinem Leben erhalten, aber dieser mache ihn besonders stolz. Die höchste Auszeichnung des Zentralrats ist mit 15.000 Euro dotiert.
Im weiteren Verlauf seiner Rede teilte er unter anderem gegen die Klimaaktivistin Greta Thunberg, linken Antisemitismus und die deutsche Medienlandschaft aus. "Der Unterschied zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung war noch nie so groß wie heute."
Mit dem Preis soll Nuhrs Einsatz gegen Antisemitismus in der Medienlandschaft gewürdigt werden, wie der Zentralrat die Auszeichnung begründete. Die Verleihung falle in eine Zeit, in der Jüdinnen und Juden enorm unter Druck stünden, sagte Zentralrats-Präsident Josef Schuster. "Was wir erleben, ist eine Normalisierung des Judenhasses." In dieser Lage stünde Nuhr an der Seite der jüdischen Gemeinschaft.
"Wir zeichnen Sie heute nicht aus, um Ihren Humor oder die Zusammenstellungen Ihres Programms zu würdigen", sagte Schuster, der Nuhr "streitbar" nannte. "Sie nutzen ihre große Reichweite, um konsequent Doppelstandards aufzudecken, denen deutsche Medien oftmals unterliegen." Daher sei er ein würdiger Preisträger.
In der Laudatio würdigte der Psychologe und Autor Ahmad Mansour den Preisträger Nuhr. "Auch nach so vielen Jahren bleiben Sie sich treu und sagen, was ist - auch, wenn der Widerspruch sehr groß ist." Dieter Nuhr sei "eine Art Therapie" für eine kaputte Debattenkultur, in der andere Meinungen nur schwer akzeptiert würden.
An der Entscheidung für Nuhr hatte es zuvor auch Kritik gegeben, unter anderem, weil er in seine Sendungen auch die Kabarettistin Lisa Eckhart einlädt, der vorgeworfen wird, mit antisemitischen Witzen zu spielen.
Der Leo-Baeck-Preis ist die höchste Auszeichnung des Zentralrats. Der Preis erinnert an den Rabbiner Leo Baeck (1873-1956), der einer der bedeutendsten Vertreter des liberalen Judentums in Deutschland war. Er überlebte den Holocaust, ging nach dem Zweiten Weltkrieg nach London und engagierte sich im jüdisch-christlichen Dialog.
Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderen der frühere Bundespräsident Richard von Weizsäcker, die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner.